|
WALLENSTEINS LAGER WALLENSTEINS LAGER FRIEDRICH SCHILLER Personen Wachtmeister Trompeter von einem Terzkyschen Karabinier-Regiment Konstabler Scharfschuetzen Zwei Holkische reitende Jaeger Buttlerische Dragoner Arkebusiere vom Regiment Tiefenbach Kuerassier von einem wallonischen Regiment Kuerassier von einem lombardischen Regiment Kroaten Ulanen Rekrut Buerger Bauer Bauerknabe Kapuziner Soldatenschulmeister Marketenderin Eine Aufwaerterin Soldatenjungen Hoboisten Erster Aufzug Vor der Stadt Pilsen in Boehmen Erster Auftritt Marketenderzelte davor eine Kram- und Troedelbude. Soldaten von allen Farben und Feldzeichen draengen sich durcheinander alle Tische sind besetzt. Kroaten und Ulanen an einem Kohlfeuer kochen Marketenderin schenkt Wein Soldatenjungen wuerfeln auf einer Trommel im Zelt wird gesungen. Ein Bauer und sein Sohn. Bauerknabe. Vater es wird nicht gut ablaufen Bleiben wir von dem Soldatenhaufen. Sind Euch gar trotzige Kameraden; Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden. Bauer. Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen Treiben sie's auch ein wenig vermessen. Siehst du? sind neue Voelker herein Kommen frisch von der Saal' und dem Main Bringen Beut' mit die rarsten Sachen! Unser ist's wenn wir's nur listig machen. Ein Hauptmann den ein andrer erstach Liess mir ein paar glueckliche Wuerfel nach. Die will ich heut einmal probieren Ob sie die alte Kraft noch fuehren. Musst dich nur recht erbaermlich stellen Sind dir gar lockere leichte Gesellen. Lassen sich gerne schoentun und loben So wie gewonnen so ist?s zerstoben. Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln Muessen wir's wiederbekommen in Loeffeln; Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein So sind wir pfiffig und treiben?s fein. (Im Zelt wird gesungen und gejubelt.) Wie sie juchzen--dass Gott erbarm! Alles das geht von des Bauern Felle. Schon acht Monate legt sich der Schwarm Uns in die Betten und in die Staelle Weit herum ist in der ganzen Aue Keine Feder mehr keine Klaue Dass wir fuer Hunger und Elend schier Nagen muessen die eignen Knochen. War?s doch nicht aerger und krauser hier Als der Sachs noch im Lande taet pochen. Und die nennen sich Kaiserliche! Bauerknabe. Vater da kommen ein paar aus der Kueche Sehen nicht aus als waer? viel zu nehmen. Bauer. Sind Einheimische geborne Boehmen Von des Terschkas Karabinieren Liegen schon lang in diesen Quartieren. Unter allen die Schlimmsten just Spreizen sich werfen sich in die Brust Tun als wenn sie zu fuernehm waeren Mit dem Bauer ein Glas zu leeren. Aber dort seh ich die drei scharfe Schuetzen Linker Hand um ein Feuer sitzen Sehen mir aus wie Tiroler schier. Emmerich komm! An die wollen wir Lustige Voegel die gerne schwatzen Tragen sich sauber und fuehren Batzen. (Gehen nach den Zelten.) Zweiter Auftritt Vorige. Wachtmeister. Trompeter. Ulan. Trompeter. Was will der Bauer da? Fort Halunke! Bauer. Gnaedige Herren einen Bissen und Trunk! Haben heut noch nichts Warmes gegessen. Trompeter. Ei das muss immer saufen und fressen. Ulan (mit einem Glase). Nichts gefruehstueckt? Da trink du Hund! (Fuehrt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwaerts.) Wachtmeister (zum Trompeter). Meinst du man hab? uns ohne Grund Heute die doppelte Loehnung gegeben Nur dass wir flott und lustig leben? Trompeter. Die Herzogin kommt ja heute herein Mit dem fuerstlichen Fraeulein-- Wachtmeister. Das ist nur der Schein. Die Truppen die aus fremden Landen Sich hier vor Pilsen zusammenfanden Die sollen wir gleich an uns locken Mit gutem Schluck und guten Brocken Damit sie sich gleich zufrieden finden Und fester sich mit uns verbinden. Trompeter. Ja es ist wieder was im Werke! Wachtmeister Die Herren Generaele und Kommendanten-- Trompeter. Es ist gar nicht geheuer wie ich merke. Wachtmeister. Die sich so dick hier zusammenfanden-- Trompeter. Sind nicht fuer die Langweil herbemueht. Wachtmeister. Und das Gemunkel und das Geschicke-- Trompeter. Ja! Ja! Wachtmeister. Und von Wien die alte Peruecke Die man seit gestern herumgehn sieht Mit der guldenen Gnadenkette Das hat was zu bedeuten ich wette. Trompeter. Wieder so ein Spuerhund gebt nur acht Der die Jagd auf den Herzog macht. Wachtmeister. Merkst du wohl? sie trauen uns nicht Fuerchten des Friedlaenders heimlich Gesicht. Er ist ihnen zu hoch gestiegen Moechten ihn gern herunter kriegen. Trompeter. Aber wir halten ihn aufrecht wir. Daechten doch alle wie ich und Ihr! Wachtmeister. Unser Regiment und die andern vier Die der Terschka anfuehrt der Herzogs Schwager Das resoluteste Korps im Lager Sind ihm ergeben und gewogen Hat er uns selbst doch herangezogen. Alle Hauptleute setzt? er ein Sind alle mit Leib und Leben sein. Dritter Auftritt Kroat mit einem Halsschmuck. Scharfschuetze folgt. Vorige. Scharfschuetz. Kroat wo hast du das Halsband gestohlen? Handle dir?s ab! dir ist?s doch nichts nuetz. Geb dir dafuer das Paar Terzerolen. Kroat. Nix nix! du willst mich betruegen Schuetz. Scharfschuetz. Nun! geb dir auch noch die blaue Muetz Hab sie soeben im Gluecksrad gewonnen. Siehst du? Sie ist zum hoechsten Staat. Kroat (laesst das Halsband in der Sonne spielen). ?s ist aber von Perlen und edelm Granat. Schau wie das flinkert in der Sonnen! Scharfschuetz. (nimmt das Halsband) Die Feldflasche noch geb ich drein (besieht es) Es ist mir nur um den schoenen Schein. Trompeter. Seht nur wie der den Kroaten prellt! Halbpart Schuetze so will ich schweigen. Kroat (hat die Muetze aufgesetzt). Deine Muetze mir wohlgefaellt. Scharfschuetz (winkt dem Trompeter). Wir tauschen hier! Die Herrn sind Zeugen! Vierter Auftritt Vorige. Konstabler. Konstabler (tritt zum Wachtmeister). Wie ist?s Bruder Karabinier? Werden wir uns lang noch die Haende waermen Da die Feinde schon frisch im Feld herum schwaermen? Wachtmeister. Tut?s Ihm so eilig Herr Konstabel? Die Wege sind noch nicht praktikabel. Konstabler. Mir nicht. Ich sitze gemaechlich hier; Aber ein Eilbot? ist angekommen Meldet Regenspurg sei genommen. Trompeter. Ei da werden wir bald aufsitzen. Wachtmeister. Wohl gar! Um dem Bayer sein Land zu schuetzen? Der dem Fuersten so unfreund ist? Werden uns eben nicht sehr erhitzen. Konstabler. Meint Ihr?--Was Ihr nicht alles wisst! Fuenfter Auftritt Vorige. Zwei Jaeger. Dann Marketenderin Soldatenjungen Schulmeister Aufwaerterin. Erster Jaeger. Sieh! sieh! Da treffen wir lustige Kompanie. Trompeter. Was fuer Gruenroeck? moegen das sein? Treten ganz schmuck und stattlich ein. Wachtmeister. Sind Holkische Jaeger; die silbernen Tressen Holten sie sich nicht auf der Leipziger Messen. Marketenderin (kommt und bringt Wein). Glueck zu Ankunft ihr Herrn! Erster Jaeger. Was? der Blitz! Das ist ja die Gustel aus Blasewitz. Marketenderin. I freilich! Und er ist wohl gar Mussjoe Der lange Peter aus Itzehoe? Der seines Vaters goldene Fuechse Mit unserm Regiment hat durchgebracht Zu Gluecksstadt in einer lustigen Nacht-- Erster Jaeger. Und die Feder vertauscht mit der Kugelbuechse. Marketenderin. Ei! da sind wir alte Bekannte! Erster Jaeger. Und treffen uns hier im boehmischen Lande. Marketenderin. Heute da Herr Vetter und morgen dort-- Wie einen der rauhe Kriegesbesen Fegt und schuettelt von Ort zu Ort; Bin indes weit herumgewesen. Erster Jaeger. Will?s Ihr glauben! Das stellt sich dar. Marketenderin. Bin hinauf bis nach Temeswar Gekommen mit den Bagagewagen Als wir den Mansfelder taeten jagen. Lag mit dem Friedlaender vor Stralsund Ging mir dorten die Wirtschaft zugrund. Zog mit dem Sukkurs von Mantua Kam wieder heraus mit dem Feria Und mit einem spanischen Regiment Hab ich einen Abstecher gemacht nach Gent. Jetzt will ich?s im boehmischen Land probieren Alte Schulden einkassieren-- Ob mir der Fuerst hilft zu meinem Geld. Und das dort ist mein Marketenderzelt. Erster Jaeger. Nun da trifft Sie alles beisammen an! Doch wo hat sie den Schottlaender hingetan Mit dem sie damals herumgezogen? Marketenderin. Der Spitzbub! der hat mich schoen betrogen. Fort ist er! Mit allem davongefahren Was ich mir taet am Leibe ersparen. Liess er mir nichts als den Schlingel da! Soldatenjunge (kommt gesprungen). Mutter! sprichtst du von meinem Papa? Erster Jaeger. Nun nun! das muss der Kaiser ernaehren Die Armee sich immer muss neu gabaeren. Soldatenschulmeister (kommt). Fort in die Feldschule! Marsch ihr Buben! Erster Jaeger. Das fuercht? sich auch vor der engen Stuben! Aufwaerterin (kommt). Base sie wollen fort. Marketenderin. Gleich! gleich! Erster Jaeger. Ei wer ist denn das kleine Schelmengesichte? Marketenderin. ?s ist meiner Schwester Kind--aus dem Reich. Erster Jaeger. Ei also eine liebe Nichte? (Marketenderin geht.) Zweiter Jaeger (Das kleine Maedchen haltend). Bleib Sie bei uns doch artiges Kind. Aufwaerterin. Gaeste dort zu bedienen sind. (Macht sich los und geht.) Erster Jaeger. Das Maedchen ist kein uebler Bissen!-- Und die Muhme! beim Element! Was haben die Herrn vom Regiment Sich um das niedliche Laervchen gerissen!-- Was man nicht alles fuer Leute kennt Und wie die Zeit von dannen rennnt.-- Was werd ich noch alles erleben muessen! (Zum Wachtmeister und Trompeter.) Euch zu Gesundheit meine Herrn!-- Lasst uns hier auch ein Plaetzen nehmen. Sechster Auftritt Jaeger. Wachtmeister. Trompeter Wachtmeister. Wir danken schoen. Von Herzen gern. Wir ruecken zu. Willkommen in Boehmen! Erster Jaeger. Ihr sitzt hier warm. Wir in Feindes Land Mussten derweil uns schlecht bequemen. Trompeter. Man sollt?s euch nicht ansehn ihr seid galant. Wachtmeister. Ja ja im Saalkreis und auch in Meissen Hoert man euch Herrn nicht besonders preisen. Zweiter Jaeger. Seid mir doch still! Was will das heissen? Der Kroat es ganz anders trieb Uns nur die Nachles? uebrigblieb. Trompeter. Ihr habt da einen saubern Spitzen Am Kragen und wie euch die Hosen sitzen! Die feine Waesche der Federhut! Was das alles fuer Wirkung tut! Dass doch den Burschen das Glueck soll scheinen Und so was kommt nie an unser einen! Wachtmeister. Dafuer sind wir den Friedlaenders Regiment Man muss uns ehren und respektieren. Erster Jaeger. Das ist fuer uns andre kein Kompliment Wir ebensogut seinen Namen fuehren. Wachtmeister. Ja ihr gehoert auch so zur ganzen Masse. Erster Jaeger. Ihr seid wohl von einer besondern Rasse? Der ganze Unterschied ist in den Roecken Und ich ganz gern mag in meinem stecken. ...
|