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SIDDHARTHA SIDDHARTHA HERMANN HESSE Liebe ruehrte sich in den Herzen der jungen Brahmanentoechter wenn Siddhartha durch die Gassen der Stadt ging mit der leuchtenden Stirn mit dem Koenigsauge mit den schmalen Hueften. Mehr als sie alle aber liebte ihn Govinda sein Freund der Brahmanensohn. Er liebte Siddharthas Auge und holde Stimme er liebte seinen Gang und den vollkommenen Anstand seiner Bewegungen er liebte alles was Siddhartha tat und sagte und am meisten liebte er seinen Geist seine hohen feurigen Gedanken seinen gluehenden Willen seine hohe Berufung. Govinda wusste: dieser wird kein gemeiner Brahmane werden kein fauler Opferbeamter kein habgieriger Haendler mit Zauberspruechen kein eitler leerer Redner kein boeser hinterlistiger Priester und auch kein gutes dummes Schaf in der Herde der Vielen. Nein und auch er Govinda wollte kein solcher werden kein Brahmane wie es zehntausend gibt. Er wollte Siddhartha folgen dem Geliebten dem Herrlichen. Und wenn Siddhartha einstmals ein Gott wuerde wenn er einstmals eingehen wuerde zu den Strahlenden dann wollte Govinda ihm folgen als sein Freund als sein Begleiter als sein Diener als sein Speertraeger sein Schatten. So liebten den Siddhartha alle. Allen schuf er Freude allen war er zur Lust. Er aber Siddhartha schuf sich nicht Freude er war sich nicht zur Lust. Wandelnd auf den rosigen Wegen des Feigengartens sitzend im blaeulichen Schatten des Hains der Betrachtung waschend seine Glieder im taeglichen Suehnebad opfernd im tiefschattigen Mangowald von vollkommenem Anstand der Gebaerden von allen geliebt aller Freude trug er doch keine Freude im Herzen. Traeume kamen ihm und rastlose Gedanken aus dem Wasser des Flusses geflossen aus den Sternen der Nacht gefunkelt aus den Strahlen der Sonne geschmolzen Traeume kamen ihm und Ruhelosigkeit der Seele aus den Opfern geraucht aus den Versen der Rig-Veda gehaucht aus den Lehren der alten Brahmanen getraeufelt. Siddhartha hatte begonnen Unzufriedenheit in sich zu naehren Er hatte begonnen zu fuehlen dass die Liebe seines Vaters und die Liebe seiner Mutter und auch die Liebe seines Freundes Govindas nicht immer und fuer alle Zeit ihn begluecken ihn stillen ihn saettigen ihm genuegen werde. Er hatte begonnen zu ahnen dass sein ehrwuerdiger Vater und seine anderen Lehrer dass die weisen Brahmanen ihm von ihrer Weisheit das meiste und beste schon mitgeteilt dass sie ihre Fuelle schon in sein wartendes Gefaess gegossen haetten und das Gefaess war nicht voll der Geist war nicht begnuegt die Seele war nicht ruhig das Herz nicht gestillt. Die Waschungen waren gut aber sie waren Wasser sie wuschen nicht Suende ab sie heilten nicht Geistesdurst sie loesten nicht Herzensangst. Vortrefflich waren die Opfer und die Anrufung der Goetter aber war dies alles? Gaben die Opfer Glueck? Und wie war das mit den Goettern? War es wirklich Prajapati der die Welt erschaffen hat? War es nicht der Atman Er der Einzige der Alleine? Waren nicht die Goetter Gestaltungen erschaffen wie ich und du der Zeit untertan vergaenglich? War es also gut war es richtig war es ein sinnvolles und hoechstes Tun den Goettern zu opfern? Wem anders war zu opfern wem anders war Verehrung darzubringen als Ihm dem Einzigen dem Atman? Und wo war Atman zu finden wo wohnte Er wo schlug Sein ewiges Herz wo anders als im eigenen Ich im Innersten im Unzerstoerbaren das ein jeder in sich trug? Aber wo wo war dies Ich dies Innerste dies Letzte? Es war nicht Fleisch und Bein es war nicht Denken noch Bewusstsein so lehrten die Weisesten. Wo wo also war es? Dorthin zu dringen zum Ich ZU mir zum Atman gab es ...
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