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DER GASTFREUND DER GASTFREUND FRANZ GRILLPARZER Trauerspiel in einem Aufzug Personen: Aietes Koenig von Kolchis Medea seine Tochter Gora Medeens Amme Peritta eine ihrer Jungfrauen Phryxus Jungfrauen Medeens Griechen in Phryxus' Gefolge Kolcher Kolchis. (Wilde Gegend mit Felsen und Baeumen im Hintergrunde das Meer. Am Gestade desselben ein Altar von unbehauenen Steinen zusammengefuegt auf dem die kolossale Bildsaeule eines nackten baertigen Mannes steht der in seiner Rechten eine Keule um die Schultern ein Widderfell traegt. Links an den Szenen des Mittelgrundes der Eingang eines Hauses mit Stufen und rohen Saeulen. Tagesanbruch.) Medea Gora Peritta Gefolge von Jungfrauen. (Beim Aufziehen des Vorhanges steht Medea im Vorgrunde mit dem Bogen in der Hand in der Stellung einer die eben den Pfeil abgeschossen. An den Stufen des Altars liegt ein von einem Pfeile durchbohrtes Reh.) Jungfrauen (die entfernt gestanden zum Altare hineilend). Das Opfer blutet! Medea (in ihrer vorigen Stellung). Traf's? Eine der Jungfrauen. --Gerad' ins Herz! Medea (indem sie den Bogen abgibt). Das deutet Gutes; lasst uns eilen denn! Geh' eine hin und spreche das Gebet. Gora (zum Altar tretend). Darimba maechtige Goettin Menschenerhalterin Menschentoeterin Die den Wein du gibst und des Halmes Frucht Gibst des Weidwerks herzerfreuende Spende Und des Todfeinds Blut: Darimba reine magdliche Tochter des Himmels Hoere mich! Chor. Darimba maechtige Goettin Darimba! Darimba! Gora. Sieh ein Reh hab' ich dir getoetet Den Pfeil schnellend vom starken Bogen Dein ist's! Lass dir gefallen sein Blut! Segne das Feld und den beutereichen Wald Gib dass wir recht tun und siegen in der Schlacht Gib dass wir lieben den Wohlwollenden Und hassen den der uns hasst. Mach' uns stark und reich Darimba Maechtige Goettin! Chor. Darimba Darimba! Gora. Das Opfer am Altar zuckt und endet So moegen deine Feinde enden Darimba! Deine Feinde und die unsern! Es ist Medea Aietes' Tochter Des Herrschers von Kolchis fuerstliches Kind Die empor in deine Wohnungen ruft Hoere mich hoere mich Und erfuelle was ich bat! Chor (mit Zimbeln und Handpauken zusammen schlagend). Darimba Darimba! Maechtige Goettin! Eriho! Jehu! Medea. Und somit genug! Das Opfer ist gebracht Vollendet das zoegernde Geschaeft. Nun Pfeil und Bogen her die Hunde vor Dass von des Jagdlaerms hallendem Getos Der gruene Wald ertoene nah und fern! Die Sonne steigt. Hinaus! hinaus! Und die am schnellsten rennt und die am leichtsten springt Sei Koenigin des Tags.-- Du hier Peritta? Sagt' ich dir nicht Dass du mich meiden sollst und gehn? So geh! Peritta (knieend). Medea! Medea. Kniee nicht! Du sollst nicht knien! Hoerst du? In deine Seele schaem' ich mich. So feig so zahm!--Mich schmerzt nicht dein Verlust Mich schmerzt dass ich dich jetzt verachten muss Und hab' dich einst geliebt! Peritta. O wuesstest du! Medea. Was denn?--Stahlst du dich neulich von der Jagd Und gingst zum Hirten ins Tergener Tal? Tatst du's? Sprich nein! Du Falsche Undankbare! Versprachst du nicht du wolltest mein sein mein Und keines Manns? Sag' an versprachst du's? Peritta. Als ich's gelobte wusst' ich damals-- Medea. Schweig! Was braucht's zu wissen als dass du's versprachst. Ich bin Aietes' koenigliches Kind Und was ich tu' ist recht weil ich's getan. Und doch du Falsche! haett' ich dir versprochen Die Hand hier abzuhaun von meinem Arm Ich taet's; fuerwahr ich taet's weil ich's versprach. Peritta. Es riss mich hin ich war besinnungslos Und nicht mit meinem Willen nein-- Medea. Ei hoert! Sie wollte nicht und tat's!--Geh du sprichst Unsinn. Wie konnt' es denn geschehn Wenn du nicht (wolltest). Was ich tu' das will ich Und was ich will--je nu das tu' ich manchmal (nicht). Geh hin in deines Hirten dumpfe Huette Dort kaure dich in Rauch und schmutz'gen Qualm Und baue Kohl auf einer Spanne Grund. Mein Garten ist die ungemessne Erde Des Himmels blaue Saeulen sind mein Haus Da will ich stehn des Berges freien Lueften Entgegen tragend eine freie Brust Und auf dich niedersehn und dich verachten. Hallo! in Wald! Ihr Maedchen in den Wald! (Indem sie abgeben will koemmt von der andern Seite ein) Kolcher. Kolcher. Du Koenigstochter hoere! Medea. Was? Wer ruft? Kolcher. Ein Schiff mit Fremden angelangt zur Stund'! Medea. Dem Vater sag' es an. Was kuemmert's mich! Kolcher. Wo weilt er? Medea. Drin im Haus! Kolcher. Ich eile! Medea. Tu's! (Der Bote ab ins Haus.) Medea. Dass diese Fremden uns die Jagdlust stoeren! Ihr Schiff es ankert wohl in jener Bucht Die sonst zum Sammelplatz uns dient der Jagd. Allein was tut's! Bringt lange Speere her Und nahet ein Kuehner zahl' er's mit Blut! Nur Speere her! doch leise leise hoert! Denn saeh's der Vater wehren moecht' er es. Kommt!--Dort das Mal von Steinen aufgehaeuft Seht ihr's dort oben? Wer erreicht's zuerst? Stellt euch!--Nichts da! Nicht vorgetreten! Weg! Wer siegt hat auf der Jagd den ersten Schuss: So stellt euch und wenn ich das Zeichen gebe Dann wie der Pfeil vom Bogen fort! Gebt Acht! Acht!--Jetzt!-- Aietes (ist unterdessen aus dem Hause getreten mit ihm der) Bote (der gleich abgeht.) Aietes. Medea! Medea (sich umwendend aber ohne ihren Platz zu veraendern). Vater! Aietes. Du wohin? Medea. In Wald! Aietes. Bleib jetzt! Medea. Warum? Aietes. Ich will's. Du sollst. Medea. So fuerchtest du dass jene Fremden-- Aietes. Weisst du also?-- (Naeher tretend mit gedaempfter Stimme.) Angekommen Maenner Aus fernem Land Bringen Gold bringen Schaetze Reiche Beute. Medea. Wem? Aietes. Uns wenn wir wollen. Medea. Uns? Aietes. 's sind Fremde sind Feinde Kommen zu verwuesten unser Land. Medea. So geh hin und toete sie! Aietes. Zahlreich sind sie und stark bewehrt Reich an List die fremden Maenner Leicht toeten sie (uns.) Medea. So lass sie ziehn! Aietes. Nimmermehr. Sie sollen mir-- Medea. Tu was du willst Mich aber lass zur Jagd! Aietes. Bleib sag' ich bleibe Medea. Was soll ich? Aietes. Helfen! Raten! Medea. Ich? Aietes. Du bist klug du bist stark. Dich hat die Mutter gelehrt Aus Kraeutern aus Steinen Traenke bereiten Die den Willen binden Und fesseln die Kraft. Du rufst Geister Und besprichst den Mond Hilf mir mein gutes Kind! Medea. Bin ich dein gutes Kind! Sonst achtest du meiner wenig. Wenn ich will willst du (nicht) Und schiltst mich und schlaegst nach mir; Aber wenn du mein bedarfst Lockst du mich mit Schmeichelworten Und nennst mich Medea dein liebes Kind. Aietes. Vergiss Medea was sonst geschehn. Bist doch auch nicht immer wie du solltest. Jetzt steh mir bei und hilf mir. Medea. Wozu? Aietes. So hoere denn mein gutes Maedchen!-- Das Gold der Fremden all und ihre Schaetze-- Gelt laechelst? Medea. Ich? Aietes. Ei ja das viele Gold Die bunten Steine und die reichen Kleider Wie sollen die mein Maedchen zieren! Medea. Ei immerhin! Aietes. Du schlaue Buebin sieh Ich weiss dir lacht das Herz nach all der Zier! Medea. Kommt nur zur Sache Vater! Aietes. Ich-- Heiss dort die Maedchen gehn! Medea. Warum? Aietes. Ich will's! Medea. Sie sollen ja mit mir zur Jagd. Aietes. Heut keine Jagd' Medea. Nicht? Aietes. Nein sag' ich und nein! und nein! Medea. Erst lobst du mich und-- Aietes. Nun sei gut mein Kind! Komm hierher! Weiter! hierher so! Du bist ein kluges Maedchen dir kann ich trauen. Ich-- Medea. Nun! Aietes. Was siehst du mir so starr ins Antlitz? Medea. Ich hoere Vater! Aietes. O ich kenne dich! Willst du den Vater meistern Ungeratne? I ch entscheide was gut was nicht. Du (gehorchst). Aus meinen Augen Verhasste! (Medea geht.) Bleib!--Wenn du wolltest begreifen wolltest-- Ich weiss du kannst allein du willst es nicht! --So sei's denn bleib aus deines Vaters Rat Und diene weil du dienen willst. (Man hoert in der Ferne kriegerische Musik.) Aietes. Was ist das? Weh sie kommen uns zuvor! Siehst du Toerin? Die du schonen wolltest sie toeten uns! In vollem Zug hierher die fremden Maenner! Weh uns! Waffen! Waffen! (Der Bote kommt wieder.) Bote. Der Fuehrer Herr der fremden Maenner!-- Aietes. Was will er? Meine Krone mein Leben? Noch hab' ich Mut noch hab' ich Kraft Noch wallt Blut in meinen Adern Zu tauschen Tod um Tod! Bote. Er bittet um Gehoer. Aietes. Bittet? Bote. Freundlich sich mit dir zu besprechen Zu stiften friedlichen Vergleich. Aietes. Bittet? und hat die Macht in Haenden Findet uns unbewehrt er in Waffen Und bittet der Tor! Bote. In dein Haus will er treten Sitzen an deinem Tische Essen von deinem Brot Und dir vertrauen Was ihn hierher gefuehrt. Aietes. Er komme er komme. Haelt er Friede nur zwei Stunden Spaeter fuercht' ich ihn nicht mehr. Sag' ihm dass er nahe Aber ohne Schild ohne Speer ...
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